Das mit dem „Geschichten erzählen“ ist gleichzeitig soviel leichter und komplizierter geworden. Leichter, weil man es überall tun kann. Es gibt zahlreiche Kanäle mit Millionen Zuhörern. YouTube, Vimeo, Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat.

Aber natürlich gibt es auch Millionen Erzähler.

Man trifft immer wieder Leute, die sagen: „Es gibt schon mehr als genug Content da draußen.“  „Wer soll das alles lesen?“

Als wäre es die logische Folge zu sagen: „Chef, ich glaube wir halten jetzt mal für ein paar Monate die Fresse.“

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Aber wer findet sich zurecht in diesem Wust aus Erzähltem? Heute spricht man vom „Narrativ“. Sozusagen der vorherrschenden Version einer „erzählten“ Sichtweise auf die Welt, die im Virtuellen völlig ausser Kontrolle gerät.

Und dieses Narrativ wird immer monströser. Keiner kann es mehr kontrollieren in den sozialen Medien. Die User diskutieren mit, und die Narrative haben logischerweise alle ihre eigenen Wahrheiten, Ansichten, Ideologien und Religionen. Und das Ganze clashed in einem gewaltigen Showdown und bricht in sich zusammen. Brandherde, Anschläge, Waldbränden Terror.

„Und dann ist erstmal Ruhe.“

Das Ende, Apokalypse – Tumbleweed. Und Du bist der letze Mensch und läufst zwei drei Jahre durch die Gegend, ohne einen anderen Menschen zu sehen. Und plötzlich steht Collien Fernandes unter einer Ulme und erzählt Dir von einem Uups-Moment.

Und dann kommst Du. Und nehmen wir an Du bist Kommunikationschef von einem kleinen Sachbuchverlag aus dem Pfälzer Wald.

Jetzt kannst Du sagen: Oh, ne, wir wollen uns nicht an der globalen Contentverschmutzung beteiligen und machen nichts. Uns kennt ohnehin keine Sau.

Niemand interessiert sich für unsere Autoren, aber wir laden sie einmal im Jahr zum Gänseessen nach Landau ein und trinken ein paar Gläser Wein. „Alles prima“.

Oder, du gibst ihnen ein Forum und stellst beim Weinchen eine vernünftige Webcam und ein Mikro dazu und liest wöchentlich ein paar Zeilen und bittest Dein Publikum, zu sagen, was ihnen dazu einfällt.  Das kann nerdy sein und quirky oder eerie oder weird, wie wir Anglophilen sagen. Aber vielleicht ist es auch charmant und nett und ein paar Leute wissen das wirklich zu schätzen und freuen sich, dass der Verlag im Pfälzer Wald noch da ist mit einer Stimme und mit einer Haltung und mit einem Moment feiner Ironie.

Das ist vielleicht nicht viel – aber doch ein kleiner Gegenpol zum großen monströsen Narrativ da draussen. Ich finde, man kann das machen. Ich glaube, man kann einfach sein, ohne zu vereinfachen. Man kann ein bisschen crazy sein. Und von den Dingen reden, zu denen man was zu sagen hat. Oder glaubt, was zu sagen zu haben. Oder, die einen bewegen und inspirieren.

Wenn man ein Verlag ist, dann will man Bücher verkaufen. Das ist legitim. Versteht jeder.

Ich finde, man darf den Leuten nur einfach keinen Scheiß erzählen.